Unter diesem Motto steht die Weiterentwicklung des Radverkehrskonzeptes der Stadt.
Parallel zum Stadtradeln haben Bürger*innen nun bis zum 5. Juni 2026 die Möglichkeit zur Onlinebeteiligung.
Zum Auftakt des Beteiligungsprozesses informierte die Stadt am Donnerstag, 30. April 2026 im Rathaus und parallel
im Youtube-Livestream über Ziele, Hintergründe und den geplanten Ablauf.
Dabei sprachen Bürgermeister Peter Pätzold, Jonas Marwein, Fahrradbotschafter der Stadt Stuttgart sowie Vertreter
der beteiligten Büros (Lisanne Pucher von DialogWerke, Prof. Dr. Volker Waßmuth von PTV Transport Consult und Torsten Perner von Mobycon),
die den Prozess begleiten. Im Anschluss stellten sie sich auch Fragen von Bürger*innen.
Den Anfang der Veranstaltung machte eine kurze Umfrage im Publikum: Radfahren in Stuttgart ist…
Antworten wie: herausfordernd, ein Abenteuer, super, besser als sein Ruf, nervig, gefährlich, hügelig, politisch nicht gewollt,
schön, lückenhaft, ausbaufähig, Stückwerk, das schnellste Verkehrsmittel, abwechslungsreich, besser als man glaubt…
zeigten bereits eine ganze Bandbreite der Themen, die die Teilnehmer*innen beschäftigen.
Die Organisatoren machten klar, dass das Fahrrad ein wichtiger Baustein im Bemühen um Klimaneutralität sei, ein gesundes Verkehrsmittel,
platzsparend und effizient und den öffentlichen Raum entlaste. Und seit der weiten Verbreitung von Pedelecs sei auch die Topographie Stuttgarts kein Grund mehr,
dass nicht auch hier mehr Rad gefahren werden könne. Und so sieht man auch in den letzten Jahren einen stetigen Zuwachs im Bereich der Radfahrerer*innen.
In Deutschland stieg ihre Zahl von 2017 bis 2023 um 5,4%.
30 Milliarden Radkilometer werden in Deutschland pro Jahr zurückgelegt.
Kleiner oder gleichbleibend ist allerdings der Anteil der Radler*innen unter Jugendlichen, Seniorinnen und Senioren sowie sozial schwächeren Gruppen.
Zugenommen hat die Nutzung hingegen vor allem unter Männern, bei ihnen vor allem in Städten und vor allem für den Arbeitsweg sowie der Anteil von Kindern im Lastenrad der Eltern.
Bei einer Befragung gaben unter 10% der Interviewten an, dass sie selbstbewusst und furchtlos Fahrrad fahren, 60% nutzen es besorgt und 33% auf gar keinen Fall.
Wenn mehr Leute aufs Rad sollen, so müsse es eine Selbstverständlichkeit werden, das Rad zu nutzen.
Weil es praktisch sei, weil es normal sei, weil es sicher sei. Und dafür wiederum brauche es neben der Bereitstellung guter,
schneller, sicherer Fahrradnetze auch gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt.
Hier seien alle Beteiligten gefragt, denn ein Fahrradkonzept sei am Ende ein Verkehrskonzept, welches alle Verkehrsteilnehmer*innen einschließe und betreffe.
Und wenn es gut funktioniere, hätten alle gleichermaßen etwas davon. Autofahrer*innen (weniger volle Straßen, weniger Staus),
Radfahrer*innen (gute Wege) und Fußgänger*innen (weniger Autos in der Stadt).
Aus der Bundespolitik käme viel Rückenwind, so die Veranstalter, denn dort sei die Fahrradförderung ein Herzensprojekt von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD).
Das aktuelle Radverkehrskonzept Stuttgart stammt aus dem Jahr 2009 und nun soll auch mit Beteiligung von Bürger*innen geschaut werden,
was wie wo besser werden kann. In einer dicht bebauten Stadt wie Stuttgart seien die Herausforderungen natürlich andere als in weitläufigen Gebieten mit unbebauter Fläche.
Zudem habe in Stuttgart über Jahrzehnte bis in die 90er Jahre das Fahrrad keine Rolle bei der Verkehrsplanung gespielt. Dennoch müssten sich Auto und Fahrrad nicht ausschließen.
2019 habe der Radentscheid zum Zielbeschluss „Fahrradstadt Stuttgart“ geführt, 2022 sei das Klimaneutralitätsziel hinzugekommen,
2024 der Klimamobilitätsplan. Durch Pedelecs und Lastenräder sind neue Möglichkeiten entstanden, die man nutzen möchte.
Neben der Erweiterung des Radnetzes sei hier auch Werbung fürs Fahrrad, wie z.B. die Aktion Stadtradeln wichtig, ebenso dass gute Wegweiser vorhanden seien, es ein Verleihsystem gebe, Schulwege radfreundlicher würden, man durchgehend ohne ständige Stopps sicher fahren könne, aber auch, dass man sein Rad am Ziel gut abstellen könne an mehr Fahrradbügeln bzw. in Fahrradgaragen.
Um die Fortschreibung des Radverkehrskonzepts kümmern sich fünf Facharbeitskreise.
Nach dem Start mit der Onlinebeteiligung soll es in Workshops und Mobilitätsbeiräten in den Bezirken sowie in den stadtinternen Facharbeitskreisen
um konkrete Projekte und Maßnahmen gehen, die nach 2027 zu Beschlüssen kommen.
Trotz angespannter Haushaltslage sei die Grundlagenplanung und die Einbeziehung der Bürgerschaft wichtig und so riefen die Veranstalter alle auf, die Onlinebeteiligung zu nutzen.
Unter www.stuttgart-meine-stadt.de finden sich weitere Infos sowie die Onlinebeteiligung, die bis zum 5. Juni 2026 läuft.